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Ein Komma als Henker

Satzzeichen wie Komma, Punkt, Gedankenstrich, Frage- oder Ausrufezeichen sind eine Lesehilfe, strukturieren Texte und machen sie verständlicher. Allerdings nur, wenn sie richtig gesetzt sind.

Dazu habe ich ein lustiges Beispiel im Buch «Texten fürs Internet» von Ulrike Grafberger und Thomas Hörner gefunden. (Das Buch ist übrigens sehr lesenswert für alle, die für das Medium Internet schreiben.)

Lassen Sie die folgende Szene auf sich wirken:

«Plötzlich stand ein Mensch vor mir auf dem Kopfe, einen steifen Hut an den Füssen, zerrissene Schuhe in der Hand, einen dicken Stock im Munde, eine erloschene Zigarre in finsteres Schweigen gehüllt.»

Oder sollte es wohl so heissen (etwas weniger skurril mit den ganz gleichen Worten)?
«Plötzlich stand ein Mensch vor mir, auf dem Kopfe einen steifen Hut, an den Füssen zerrissene Schuhe, in der

Hand einen dicken Stock, im Munde eine erloschene Zigarre, in finsteres Schweigen gehüllt.»

Satzzeichen mögen klein und unauffällig sein, aber sie haben eine grosse Bedeutung. Noch dramatischer ist das Beispiel, das unser Deutschlehrer damals gerne demonstrierte:

Das Gericht fragt bei Hof nach, was mit dem Angeklagten geschehen soll. Und der König notiert in knappen Worten: «Begnadige nicht köpfen!» Wo gehört das Komma hin? Steht es vor «köpfen», wird es zum Todesurteil für den armen Gauner. Setzt der König es nach «Begnadige», wird er als gerechter, weiser und grossmütiger Herrscher in die Geschichte eingehen.

Nun, auf Leben und Tod geht's beim Schreiben – Gott sei Dank! - normalerweise ja nicht. Trotzdem: Gute Texte wirken. Schlechte aber auch – nur leider nicht so gut ...

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