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Nichts geht mehr

Manchmal kommt man ohne Hitze ins Schwitzen: Etwa wenn der Abgabetermin näher rückt und man mit der Arbeit nicht weiterkommt. Besonders heiss wird's, wenn schwüles Wetter und Ideenlosigkeit zusammenfallen. Schwitzt man jetzt, weil die Lösung fehlt oder fehlen Ideen, weil die Hitze drückt? Und was kann man dagegen tun?

Eines ist klar: Der Text muss her, denn Kundentermine sind heilig. Leichter wär's, man dürfte über ein kühles, prickelndes Erfischungsgetränk schreiben oder über Vanille-Eis. Ferien am Strand oder eine Kreuzfahrt in die Südsee! - Aber nein; man soll Universal-Schrumpfschläuche in diversen Farben anpreisen – und das bei der schwülen Hitze vor einem drohenden Gewitter.

Wissen Sie, was Schrumpfschläuche sind? - Nun, ich wusste es auch nicht, bevor ich darüber schreiben musste. - Das gab es in den über 20 Jahren, in denen ich jetzt als Texter/Konzepter arbeite, übrigens immer wieder: Dass ich über Dinge geschrieben habe, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass es sie gibt – oder vielleicht nur gerade das, jedoch keine Ahnung von Funktion, Beschaffenheit oder Einsatzmöglichkeiten hatte. Das erwarten Kunden von einem guten Werbetexter: Anwendernutzen und Kundenvorteile auf den Punkt zu bringen von Dienstleistungen und Produkten, die ihm unter Umständen komplett fremd sind. Und das geht auch: Ich brauche dafür einfach gute Informationen. Viele Informationen, und ich löchere jeweils meine Kunden mit Fragen, verlange nach allen Unterlagen, die mir das Thema irgendwie anschaulich machen. Tatsächlich ist in so einem Fall der grösste Teil meiner Arbeit die Recherche, nicht das Schreiben. Und hab ich's mal begriffen, muss ich oft die technischen und fachspezifischen Erklärungen der Profis «übersetzen» und in eine Sprache bringen, die von den Kunden ohne Mühe verstanden wird. Das macht meinen Beruf ja so spannend, abwechslungsreich und immer wieder sehr lehrreich. Was habe ich nicht schon alles verkauft mit meinen Texten: Computer-Programme und Convenience-Food, Ladeneinrichtungen und Finanzdienstleistungen, Autos und Trekkingreisen, Treppen, Zahnräder, Vermögens- und Lebensberatungen, Sammelteller, Uhren, komplette Industrieanlagen, Kunst, Häuser, EDV-Kurse – um nur

ein paar Beispiele zu nennen. Und eben, ja: diese Schrumpfschläuche ...

Die Hitze macht mich ganz durcheinander: Ursprünglich wollte ich heute ja meine Tricks verraten, wie man sich aus dem Schreibstau befreien kann, wenn Termine drücken und man einfach den ersten Satz nicht findet. Das ist es nämlich: Der erste Satz. Wenn der mal steht, dann geht's fast von allein. Auch nicht immer, aber oft. Mir ist schon passiert, dass ich einen ganzen Tag lang an einem Thema herumstudiert habe, ohne einen brauchbaren Satz zu schreiben. Halbe Bücher habe ich gelesen für ein paar wenige A4-Seiten Text, im Internet recherchiert und immer wieder angefangen und verworfen. Und angefangen und verworfen und .... Mir fehlte einfach der erste Satz. Als dieser am anderen Morgen dann endlich stand, schrieb sich der Rest des Artikels fast wie von allein, schnell und in einem Zug. Das ist wie mit dem Wasser, das mit Hochdruck fliesst, wenn man den Fuss vom Schlauch nimmt --- apropos; diese Schrumpfschläuche warten ...

Nun gut; jetzt also der heisse Tipp: Oft hilft es, einfach etwas anderes zu tun, sich abzulenken, Abstand zu gewinnen und das Gedachte sich setzen zu lassen ... Das kann man, indem man einfach raus geht, sich in den Schatten eines Baumes setzt und am Morgen um vier Uhr wieder ins Büro kommt, wenn's nicht mehr so heiss ist – oder indem man blogt, irgend eine Geschichte erfindet, wild drauflos schreibt, einfach ein paar «geistige Fingerübungen» macht, sich locker schreibend vom Ballast befreit und hoffentlich niemanden langweilt dabei: Das Schlimmste, was einem Texter nämlich passieren könnte. Doch manchmal riskiert man Kopf und Kragen, um einen Kundentermin zu halten ...

Reden schreiben Zug um Zug zur Idee