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Reden schreiben

Schreiben und Reden sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Schreibend kann ich zum Beispiel ganz geschwätzig sein, wenn ich aber vor Leuten reden muss, fehlen mir manchmal die Worte und werde ich eher einsilbig.

Wer schreiben kann, kann eben nicht unbedingt auch gut reden – und umgekehrt. Normalerweise schreibe ich ja für die Augen. Damit meine ich, dass meine Texte in erster Linie gelesen werden. Um mich zu vergewissern, dass einzelne Wendungen und Wortspielereien, aber auch der Spannungsaufbau und Abläufe funktionieren, lese ich mir meine Texte immer laut vor, bevor ich sie abliefere. Das kann ich Ihnen übrigens sehr empfehlen. Oft findet man dabei die eine oder andere Unreinheit, die man beim stumm Lesen leicht übersehen kann.

Besonders spannend für mich ist es, wenn ich meine Texte aus dem Mund eines anderen höre. Etwa in einem Film, zu dem ich den Text geschrieben habe oder noch besser: Wenn ich für jemanden eine Rede schreibe und diese vor Publikum vorgetragen wird. Die Worte bleiben die gleichen wie im Manuskript – doch die Ausdruckskraft verändert sich durch die Stimme der Rednerin oder des Redners und durch die Betonung einzelner Silben. Jede Pause – ob gewollt oder ungewollt

– bekommt eine Bedeutung. Hinzu kommen Mimik und die Gesten des Vortragenden. Und ganz wunderbar ist, wenn das Publikum sofort auf den Text reagiert. Versuche ich bei einem nur geschriebenen Text eine Pointe zu setzen, so weiss ich ja nicht sicher, wie der Leser oder die Leserin darauf reagiert – ob der Text überhaupt verstanden wird. Bei einer Rede hört man sofort die Lacher, das Murmeln, das Tuscheln. Man sieht die Gesichter und ob man verstanden wird oder nicht, Begeisterung und Zustimmung auslöst oder nicht, kurz; ob man die Stimmung erzeugen kann, die man erzeugen will.

Oft schon habe ich gestaunt, wie ein geschickter Rhetoriker oder eine geübte Rednerin einen einfachen Text in eine packende Rede verwandelt hat. Nun; auch das Gegenteil ist schon vorgekommen ...

Schreiben ist eben das eine, Texte vortragen etwas ganz anderes. So bewundere ich die Kunst des Redens sehr, bin aber ganz froh, dass ich im stillen Kämmerlein schreiben darf und nicht raus ans Rednerpult muss.

"Ein Bild sagt mehr ... Nichts geht mehr