Oh, es ist heiss. So heiss, dass kein Deo mehr sein Versprechen halten kann, dass dir die Kleider am verschwitzten Körper kleben; so heiss, dass du Getränke hinunter schüttest, bis es im Bauch blubbert wie in einer Wassertonne und doch der Durst nicht kleiner wird, die Schweissabsonderung jedoch immer grösser, kurz: so heiss, dass über der Strasse die Luft flimmert, dass man sich um Schattenplätze reisst und Hunderte von erhitzten Leibern sich in die Badeanstalten drängen, um im Wasser ein wenig Abkühlung zu finden; ganz kurz: Saumässig heiss.
Es ist elf Uhr morgens, und ich verlasse die kühle Wohnung, weiss Gott warum! Ich komme hinaus in die Stadtluft, die zum Abstechen ist, und wo es mich vor Hitze schier überschlägt. Ich schlage diese Warnung aber in den Wind (gäb's ihn nur, wenigstens ein kleines, kühles Lüftchen) und steche mich durch bis zum Würstchenstand und dem dicken Konrad, der, ständig ein Würstchen nach dem anderen verdrückend und Bier dazu trinkend, mit grossen Schweissperlen auf der Stirn auf Kundschaft wartet. - Ein kühles Bier jetzt, das wird gut tun und dazu ein Salamisandwich.
Ein bisschen Schwatzen mit Konrad, der prinzipiell keine Zeitungen liest («Interessiert mich nicht!»), Bücher erst recht nicht, dafür aber ständig die alten «Fix-und-Foxi»-Heftchen; die verschlingt er genauso gierig wie seine Würstchen. Mit Konrad zu sprechen, ist etwa so interessant, wie wenn man zu einem Säugling «Schatzi-Patzi, tututu» macht, und er dabei kichert und sabbert und dann das «Bäuerchen» und «Servus Konrad» und weg. |
Das Bier hat gut getan, die Salami liegt auf. Langsam schlendere ich weiter und vor mir geht ein altes Muttchen mit zwei schweren Taschen in den Händen. Es keucht und schwitzt und möchte über die Strasse. Ich helfe der Frau, nehme die Taschen und führe sie über die stark befahrene Strasse. Dann kommt sie daheim an, dankt recht schön mit zittriger Hand und verschwindet in einem dunklen Hauseingang. Wie gerne wird sich die alte Frau an vergangene Zeiten erinnern, als sie noch jung war, als nur wenige Autos und die Droschken ruhig und gemütlich über das Kopfsteinpflaster rollten, als alles noch nicht so hektisch war. Und vielleicht denkt sie auch daran, wie hübsch und begehrenswert sie einmal war. So wie die junge Frau, die mir jetzt auf dem Gehsteig entgegen kommt. - Blick von mir, Lächeln von ihr; Lächeln von mir, Blick von mir zurück, schöner wippender Gang, kein Blick von ihr zurück – vorbei; verflucht! - In Hundekot getreten. Zum Glück ist es so heiss; er war schon trocken.
Ja, heiss ist es und Durst hab' ich und ein Schanigarten lockt vor mir. Das Bier ist schnell getrunken, und der Durst für den Moment gebändigt. Ich lese in der Zeitung (Gurkensalat!), doch dann kommen die Mittagsgäste zum Essen. Der Wirt räumt mir das leere Glas weg; ich weiss, er braucht den Tisch und gehe hinaus aus dem Schatten auf die Strasse, wo's noch heisser geworden ist. Schnell, der Stadtpark mit seinen schattigen Wiesen ist nicht weit.
(Fortsetzung folgt.)
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