Texte für Papier Online-Texte Texte fürs Ohr Der Werbetexter Referenzen Tipps & Tricks
Startseite Der Werbetexter Aus dem Alltag

Der Werbetexter


Partner Aus dem Alltag

Sitemap Rabatt für Lehrbetriebe Start-up-Rabatt für Jungunternehmer Kontakt AGB

Saure-Gurken-Zeit (Teil 2)

Einige Jahre her ist's – damals in Wien, schwül war's, und ich machte einen Stadtbummel, hatte schon zwei grosse Bier getrunken und dummerweise immer noch Durst ...

Ein paar Schritte weiter komme ich zum Stadtpark mit Bäumen und Schatten und Blumen und einer Volière. Ich suche nach einer freien Bank im Schatten. Aussichtslos! Viele Leute liegen im Rasen – (Betreten verboten!) - lesen oder schlafen oder schmusen oder essen. Hier einer mit Gitarre, dort eine mit Schulmappe, einer hat den Aktenkoffer, sein Jackett und sich selbst ins Gras gelegt, die Krawatte gelöst – und ich habe Durst.

Ich hole mir eine Dose Bier – Bier löscht den Durst noch am besten, find' ich – und lege mich auch ins Grüne, leere die Dose und bleibe fast zwei Stunden liegen.

Als ich erwache, ist die Schulmappe wohl in der Schule, das Aktenköfferchen im Büro, die Krawatte wieder festgebunden. Die Gitarre liegt jetzt still neben dem schlafenden Musikanten, und ich lasse beide liegen und gehe weiter.

Es ist halb drei Uhr vorüber, immer noch drückend heiss (wird wohl noch Gewitter geben am Abend) und ich komme am «Steffel» vorbei, wie der Dom hier liebevoll genannt wird. Das mächtige Gebäude wird fotografiert, bestaunt, besichtigt, gezeichnet, in Öl gemalt und erträgt alles stumm und geduldig wie es schon so viel ertragen hat in all den Jahrhunderten.

Ich sitze inzwischen vor meinem vierten Bier. - Touristen überall: dort, karierte Shorts und Südseehemden: Amerikaner! «How lovely! Isn't it beautiful? - Well, but in America ... - Nice, isn't it! Great! - Well, but

in America ...» - Dort ein kleiner, schlanker Herr mit vier Fotoapparaten auf dem Bauch, einer vor 'm Gesicht: Japaner.

Aus aller Herren Ländern versammeln sie sich und bummeln durch die Kärntner-Strasse, auf und ab, hin und her, sujetgeil und linsenscharf, mit automatischem Bildvorschub; ach diese Spiegelreflexkameraden! Klick hinten, Klick vorne, Klick da, Klick hier – und mir noch ein Bier.

Dann gehe ich weiter, die Beine sind mir plötzlich so schwer ...

Hier und da ein Strassenmusikant: «Blowing in the wind» und «I wü hoam nach Fürstenfeld», dann ein Zauberer mit einem Vogel, Akrobaten und der Prophet mit erhobenem Finger: «Friede auf Erden! - Das Ende ist nah, besinnet euch und kehret um! Gott ist mitten unter uns, tuet Busse!». Gottseidank; da wird ein Platz im Strassenrestaurant frei, und ich tue mir noch ein Bier genehmigen. Prost!

Schlanke, braune Beine gehen vorbei, enger Minirock von rechts, gelbe Shorts von links; Mandelaugen-Blick kreuzt sich mit meinem, saloppes T-Shirt gewährt Einblick – herrlicher Sommer mit luftiger Mode. Ansichten – Aussichten – Absichten. Vorsicht! - Hitze, Bier und die vorübergehenden Menschen machen mich ganz schwindlig – kein Schluck mehr jetzt. Aus, vorbei, so geht das wirklich nicht!

Das halbe Glas Bier lasse ich stehen und mache mich auf den Heimweg. Genug für heute – zurück in die kühle Wohnung, vorbei am würstchenverzehrenden Fix-und-Foxi - «Nein, kein Bier mehr, danke!» - rein in den Schatten, unter die Dusche und sofort geht's einem besser. Diese verfluchte Hitze!

Saure-Gurken-Zeit (Teil 1) Aha, ein Sprücheklopfer